Ich bin so ungeduldig

„Ich bin so ungeduldig. Es gibt Situationen da halte ich es einfach nicht aus, wenn nichts weitergeht, wenn die Leute so begriffsstutzig sind. Für irgendwelche Dummheiten ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.“ So schilderte Hr. M. sein Problem.

Hr. M. war zum zweiten Mal bei uns zur Reha, einem „update“ nach dem vierwöchigen Aufenthalt vor einem Jahr. 

Damals war sein Infarkt während der Autofahrt Hauptthema. Auf die psychologische Traumabehandlung mit EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) hat er gut angesprochen und wir hatten beide den Eindruck, dass er den Infarkt gut „weggesteckt“ hatte.

Hr. M. meinte, dass er schon immer etwas ungeduldig war, aber seit dem Infarkt sei es um vieles ärger geworden. Viele Patienten wird durch einen Infarkt bewusst wie verletzlich das Leben ist und das die Lebenszeit begrenzt ist. Viele berichten dass sie weniger belastbar und ungeduldiger geworden sind.

Die Ungeduld wurde ihm schon zum Problem, beruflich wie privat, und er wollte wieder mehr Gelassenheit in sein Leben bringen.

Da Hr. M. schon einmal gute Erfahrungen mit dem EMDR gemacht hatte, schlug ich vor es wieder mit dieser Methode zu versuchen. Wir starteten die Behandlung bei einem Streit den er hatte. Dabei fiel ihm auf, dass er bei dabei ein ähnliches Gefühl hatte wie beim Infarkt. Ein Gefühl von Ungeduld und es nicht mehr aushalten zu können.

Der Infarkt war geprägt von einer langen Wartezeit. Erst im Auto, wo er schon Angst hatte ohnmächtig zu werden, dann im Rettungswagen wo er auf die Frage, ob er das überleben wird, keine Antwort bekam. Wir wiederholten die EMDR Behandlung mit dem Fokus auf das Warten. Die wichtigsten Sätze waren dabei: „Ich habe durchgehalten“ und „Ich bin geduldig“. Danach sind ihm Beispiele von Situationen eingefallen, wo er geduldig war, und wo sich das sehr bezahlt gemacht hatte.

In der Abschlussbehandlung erzählte er mir vom Besuch am Wochenende. Er hatte eine Diskussion die nicht ganz einfach war. Während dieser fiel ihm der Satz „Ich bin geduldig“ ein und er musste an die Behandlung denken. Danach nahm die Diskussion eine positive Richtung und mit einem Lächeln schloss er, dass er dann ein sehr schönes gemeinsames Wochenende verbracht hat.

Mag. Alexander Urtz, MBA

Foto: Pixabay