Einsamkeit und Herzerkrankungen

Es gibt den Risikofaktor Stress bei Herzerkrankungen. Die meisten verstehen darunter beruflichen Stress. Viel zu wenig wird wahrgenommen wie sehr Einsamkeit Stress verursacht und die Gesundheit belastet.

In Frome, einer Stadt in der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands, hat man sich dem Problem schon länger angenommen. Aus einer privaten Initiative heraus wurde ein eigenes Büro geschaffen, dass sich darum bemüht einsame Menschen mit den verschiedenen Vereinen und Angeboten in  der Stadt in Verbindung zu bringen. Tanzen, Sport, Musik und soziale Initiativen sind dabei besonders gefragt. Die Lebensqualität bislang einsamer Menschen  hat sich um vieles gebessert. Dies zeigte sich auch in der Gesundheitsstatistik. Innerhalb von 3 Jahren stiegen die Krankenhausaufenthalte in der gesamten Grafschaft um 29 %. In Frome sind sie um 17% gefallen.

Sich allein zu fühlen, erhöht inneren Stress und damit das Risiko für stressbedingte Erkrankungen. Unter anderem leidet der Schlaf. Das Einschlafen fällt schwerer, der Schlaf ist weniger tief und weniger erholsam. Das Stresshormon Cortisol erhöht sich.

Dauerhaft Einsame leiden häufiger unter Erschöpfung, Infektionen, Kopfschmerzen, Depressionen und Herz-Kreislauferkrankungen.

Wer einsam ist sorgt meist schlecht für sich und ist geneigt mit Alkohol, Nikotin, fett- und zuckerreicher Nahrung dem Gefühl der Einsamkeit zu entkommen. Das erhöht wiederum das Krankheitsrisiko.

Einsamkeit ist für die Gesundheit ungefähr so schlecht wie Rauchen.

Dabei erfüllt das Gefühl der Einsamkeit eine wichtige Funktion: So wie Hunger ein Signal ist, dass der Körper nicht genug Nahrung erhält, so warnt die Einsamkeit uns, wenn wir den Kontakt zu anderen verlieren.

Der US-amerikanische Psychologe John Cacioppo von der University of Chicago bezeichnet Einsamkeit daher auch als „sozialen Schmerz“. Es reagieren dieselben Regionen im Großhirn wie bei körperlichem Schmerz.

Allein sein verändert Menschen. Die sozialen Fähigkeiten verschlechtern sich. Kontakt zu anderen Menschen zu halten ist eben auch Übungssache.

Oft überlassen Männer gerne ihren Frauen die Pflege von Freundschaften. Verlieren sie ihre Frau durch Trennung oder Tod, sind sie ganz besonders von Einsamkeit bedroht.

Das Leben und Altwerden im Familienverband hat heute Seltenheitswert. Immer mehr Menschen können es sich leisten allein zu leben. Es hat seine Vorteile sich in seine vier Wände zurückziehen, aber es kann auch zu Vereinsamung führen.

Es wäre schön, wenn es in jeder Stadt ein Büro gegen Einsamkeit gäbe. Das wird aber noch dauern.

Daher ist es umso wichtiger Beziehungen, Freundschaften, Mitgliedschaften in Vereinen und Bekanntschaften  aktiv zu pflegen. Für ein zufriedenes, erfülltes und gesundes Leben.

Mag. Alexander Urtz MBA

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