Aufregung lohnt sich nicht – Gelassenheit kann man lernen

Gelassenheit (englisch: calmness) ist eine innere Einstellung und bedeutet, eine unvoreingenommene Haltung zu bewahren und in sich zu ruhen. Der Alltag vieler Menschen ist jedoch durch Stress, Unruhe, Nervosität, Angespanntheit und Aufregung gekennzeichnet. Doch meistens lohnt sich diese Aufregung nicht. Selbst der größte Ärger und die größte Aufregung lassen bereits geschehene Dinge nicht ungeschehen machen. Auch die Zukunft lässt sich durch eine Haltung innerer Aufregung und Unruhe nicht positiv beeinflussen.

Beobachten Sie Sich selbst einmal: war der Ärger und die Aufregung über eine Sache gerechtfertigt und hat zur Lösung eines Problems positiv beigetragen? (nach 2 Minuten, 2 Stunden, 2 Monaten, 2 Jahren …)

Wenn Sie gelassen reagieren, erhöht das einerseits Ihre Handlungsmöglichkeiten und andererseits Ihre Stimmung, indem sie negativen Emotionen nicht so großen Raum geben. Stress und Sorgen prallen quasi an Ihnen ab, wenn Sie wirklich innerlich gelassen sind.

Gelassenheit hat viele Vorteile

  • größerer Handlungsspielraum – Entscheidungen lassen sich einfacher treffen
  • weniger Erleben von Stress
  • allgemeine bessere körperliche sowie psychische Gesundheit
  • Einflüsse von außen prallen leichter ab
  • positiverer Umgang mit Schicksalsschlägen
  • bessere Lebensqualität

Die gute Nachricht: Gelassenheit kann man lernen und so entspannter durchs Leben gehen. Ihr Alltag bietet mit zahlreichen Situationen, in denen Sie Stress ausgesetzt sind, jede Menge Gelegenheit, um sich in Gelassenheit zu üben.

Überlegen Sie für sich selbst, in welchen Situationen Sie sich gestresst fühlen und beobachten Sie achtsam Ihre Reaktionen auf bestimmte Situationen. Dazu können Sie gerne eine Liste schreiben und eintragen, wie Sie in verschiedenen Situationen auf verschiedene Reize reagieren. Dieses Bewusstmachen der jeweiligen Stressoren hilft auch dabei Gelassenheit zu lernen, indem Sie in diesen Situationen zukünftig ruhiger bleiben können.

6 Tipps für mehr Gelassenheit

1. Entspannen Sie Ihren Körper

Körperliche Anspannung führt dazu, dass es Ihnen schwerer fällt, innerlich gelassen und entspannt zu sein. Ein entspannter Körper führt zu einem entspannten Geist und mehr Gelassenheit. Dazu ist es hilfreich, Entspannungstechniken zu erlernen wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Dabei spannen Sie nacheinander einzelne Körperteile an, halten kurz die Spannung und entspannen Sie dann bewusst wieder.  Hilfreich ist auch ein Achtsamkeitstraining wie der Bodyscan oder die sogenannte 5-4-3-2-1-Methode. Sie können sich auch einfach vornehmen, täglich zumindest eine Aktivität achtsam mit allen Sinnen durchzuführen, die Sie ohnehin ausführen, wie beispielsweise das Zähneputzen, Kaffeetrinken, Mittagessen, Warten auf einer roten Ampel etc.

In herausfordernden stressigen Situationen können Sie diese Techniken dann anwenden, um sich selbst zu beruhigen und wieder gelassener zu werden.

2. Atmen Sie durch

Sollten Sie merken, in einer Situation aus der Fassung zu geraten, so halten Sie für einen Moment inne und atmen Sie tief durch. Ihre Reaktion hat jedenfalls einen Augenblick Zeit. Ihre Atmung hat einen massiven Einfluss auf den Stresslevel und beeinflusst Ihre Gelassenheit.

Es empfiehlt sich beispielsweise täglich eine Minute lang die tiefe Bauchatmung zu trainieren. Dabei atmen Sie in dieser Minute sechsmal tief ein und wieder aus, sodass sich Ihre Bauchdecke spürbar hebt und wieder senkt. Eine Alternative ist es, sich fünf Minuten lang auf die Atmung zu konzentrieren, indem Sie jeweils 3 Sekunden lang einatmen, den Atem für 4 Sekunden lang anhalten und dann fünf Sekunden lang ausatmen. Dies führt im Körper automatisch zu einem entspannten Zustand und ermöglicht mehr Gelassenheit.

3. Achten Sie Ihre persönlichen Grenzen

Im beruflichen wie privaten Alltag kann es sehr schnell geschehen, dass Ihre persönlichen Grenzen nicht gewahrt oder verletzt werden – jemand fragt Sie, ob sie dies und jenes auch noch übernehmen können, obwohl ihre zeitlichen Ressourcen dies nicht zulassen; es kommt Ihnen jemand zu nahe; jemand teilt sie einfach ein; jemand hat erneut Ihre Bedürfnisse ignoriert … In solchen Situationen ist es besonders schwierig, gelassen zu bleiben und empfiehlt es sich, schon rechtzeitig zu reagieren bevor die Grenzen überhaupt überschritten werden. Sie könnten beispielsweise erklären: „Ich kann dies nicht übernehmen, weil ich dafür kein Zeitfenster mehr habe.“ oder „Ich bin selbst schon müde und brauche ein wenig Ruhe“ anstatt sich über sich selbst zu ärgern, wieder etwas übernommen zu haben, das bei Ihnen dann Stress verursacht. Dies ist nicht egoistisch, sondern ein Zeichen für Selbstfürsorge, für die eigene Psychohygiene.

4. Sorgen Sie für Bewegung, treiben Sie Sport

Stress wird durch jede Form von Bewegung und Sport abgebaut, was zu mehr Gelassenheit führt. Regelmäßiger Sport führt dazu, dass sich Ihr Herz nach großer Anstrengung schneller wieder beruhigt und in den Ausgangszustand zurückkehrt. Sie lernen durch die Variabilität Ihres Pulses, besser abzuschalten und werden Anspannung und Frustration auf eine gesunde Art los. Sie fühlen Sich insgesamt wohler, weil Sie Ihrem Körper etwas Gutes getan haben und stärken so auch Ihr Selbstbewusstsein. Gleichmäßige Bewegung führt zu einem sogenannten Flow - Sie haben ihre Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt.

5. Verabschieden Sie Sich von Ihrem Perfektionismus

Je höher Ihre Ansprüche sind, umso schneller und eher laufen Sie Gefahr, sich zu ärgern und aufzuregen, wenn etwas nicht nach Ihren Erwartungen funktioniert. Sich klar zu machen, dass es Ihre persönliche Wahrnehmung in einer Situation ist und diese nur ein Teil der Realität ist, hilft in vielen Situationen, nachsichtiger und gelassener zu sein. Betrachten Sie Fehler – sowohl eigene als auch jene anderer Personen – als normal und menschlich, ohne sich darüber aufregen zu müssen.

6. Entscheiden Sie Sich bewusst gegen Stress

Sie können nicht entscheiden, welche stressreichen Situationen auf Sie zukommen, doch Sie allein können entscheiden, wie Sie reagieren. Sich immer wieder über Kleinigkeiten aufzuregen und zu ärgern, kostet enorm viel Energie, die Sie sinnvoller investieren können. Halten Sie in solchen Situationen besser inne, atmen Sie tief durch und entscheiden Sie Sich bewusst für mehr Gelassenheit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, möglichst oft entspannt und gelassen durchs Leben zu gehen!

Foto: pixabay

Mag.a Sylvia Schwarzinger, Klinische- und Gesundheitspsychologin
Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

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