Weltnichtrauchertag

Eine Rauchergeschichte zum Weltnichtrauchertag

Sehr oft werden Raucher in der öffentlichen Meinung sozusagen in zwei Gruppen eingeteilt: in die „Unbelehrbaren“, die sowieso nicht aufhören wollen und deshalb den Rauchstopp gar nicht ernsthaft versuchen, und „die Erfolgreichen“, die unbedingt aufhören wollen und dafür auch bereit sind, Anstrengungen in Kauf zu nehmen.

Aus meiner jahrelangen Erfahrung in der psychologischen Raucherentwöhnung weiß ich jedoch, dass das so überhaupt nicht stimmt. Wenige menschliche Verhaltensweisen sind mit so viel Ambivalenz behaftet wie das Rauchen. Das ändert sich auch nach einem Herzereignis sehr selten.

Frustration durch vergebliche Versuche

Viele der sogenannten „standhaften“ Raucher erzählen mir im Einzelgespräch, dass sie eigentlich wirklich gern mit dem Rauchen aufhören würden und auch schon einige Rauchstoppversuche hinter sich hätten. Es sei ihnen aber nie gelungen, längere Zeit auf Zigaretten zu verzichten, das Verlangen sei zu groß gewesen. Das hätte sie jedes Mal sehr frustriert, und schließlich hätten sie aufgegeben. Sie würden den Rauchstopp ja sowieso nie schaffen.

Das ewige „Warten auf den Klick“

Dann gibt es diejenigen Raucher, die lautstark betonen, unbedingt aufhören zu wollen. Es sei eh alles nur „eine Kopfsache“. Es hätte bei ihnen aber leider noch nicht „Klick“ im Kopf gemacht, darauf würden sie eben noch warten. Was aber den Klick auslösen könnte, wenn nicht einmal ein lebensbedrohlicher Herzinfarkt das geschafft hat, das können sie nicht sagen.

Wenn der „letzte Schritt“ nicht gelingt

Andere Patienten wieder kommen sehr motiviert zur Raucherentwöhnung. In den meisten Fällen haben sie ihren Zigarettenkonsum seit dem Herzereignis schon erfolgreich deutlich reduziert, oft auf 4-5 Zigaretten täglich. Sie sind überzeugt von einem Zusammenhang zwischen dem Rauchen und ihrer Herzerkrankung und wollen nun unbedingt endlich den Rauchstopp schaffen. Trotzdem gelingt der letzte Schritt einfach nicht.

Der individuelle Zugang in der Raucherentwöhnung ist unbedingt nötig

Ein wesentlicher Punkt für eine erfolgreiche Raucherentwöhnung mit einem dauerhaften Rauchstopp ist in jedem Fall, gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden, was für ihn das Rauchen bedeutet. Hier meine ich nicht die üblichen angegebenen Gründe wie Stressabbau, Gewohnheit oder Langeweile, sondern seine individuelle Rauchergeschichte. Es gibt nämlich so viele Gründe zu rauchen wie es Raucherinnen und Raucher gibt. Hier passt ein Satz aus der Krimiserie „Castle“: „The story always matters.“ („Die Geschichte ist immer von Bedeutung.“). Richard Castle ist ein erfolgreicher Krimiautor, der der New Yorker Polizei bei Mordermittlungen hilft. Er betont stets, dass zur Lösung eines Falles nicht nur die Beweise wichtig sind, sondern dass man immer auch versuchen muss, die Geschichte im Hintergrund zu verstehen.

Das gilt auch für die Raucherentwöhnung, besonders nach einem Herzereignis. Da genügt es in den allermeisten Fällen ebenfalls nicht, aktuelle und zukünftige körperliche Schäden durch das Rauchen aufzulisten oder Raucherstatistiken zu zitieren, um die PatientInnen zum Rauchstopp zu bewegen. (Die Betroffenen wissen selbst sehr genau, dass ihr Verhalten gesundheitsschädigend und unvernünftig ist!)

Vielmehr ist es wichtig, jede Patientin und jeden Patienten beim Finden der eigenen Rauchergeschichte zu begleiten. Erst dann, wenn einem Raucher bewusst wird, was das Rauchen für ihn wirklich bedeutet, kann er sich auch damit auseinandersetzen und erfolgreich nach anderen Lösungen und alternativen Verhaltensweisen suchen.

Als sehr deutliches Beispiel dafür möchte ich Ihnen eine Patientengeschichte erzählen, die mich sehr bewegt hat.

Eine ganz besondere Patientengeschichte:

Ein 51 jähriger Patient kommt einige Monate nach seinem Herzinfarkt zur Rehabilitation. Er hat seinen täglichen Zigarettenkonsum bereits von 20 auf 5 reduziert und möchte nun in der Raucherentwöhnung den letzten Schritt zur Tabakkarenz schaffen. Dieser wolle ihm einfach nicht gelingen.

Im weiteren Gespräch berichtet er dann, dass Rauchen für ihn sehr viel mit Kommunikation zu tun habe. Plötzlich treten ihm unvermutet und ohne ersichtlichen Grund Tränen in die Augen. Er erzählt, dass er als Lehrlingsbetreuer immer wieder festgestellt habe, dass man bei einer gemeinsamen Rauchpause viel besser mit den Jugendlichen in Gesprächskontakt kommen könne als im Büro.

Sein eigener Sohn, den er nach der Scheidung allein aufgezogen habe, habe auch ein wenig geraucht. Manchmal seien sie bei einer Zigarette vor dem Haus zusammengestanden und hätten sich unterhalten. In solchen Momenten seien sie sich oft sehr nahe gewesen. Dann berichtet er, dass sein Sohn vor einem Jahr im Alter von 17 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt sei – und wieder sind seine Augen voll Tränen.

Auch ohne psychologische Ausbildung wird jetzt wahrscheinlich jeder Leserin und jedem Leser deutlich, dass die Zigaretten für den Patienten unbewusst eine letzte Kommunikation mit seinem verstorbenen Kind bedeuteten. Dieses wurde dem Patienten selbst erst im Lauf der Therapie klar.

Es war daher für die Raucherentwöhnung des Patienten wichtig, dass er diese Verbindung in anderen schönen Erinnerungen und Ritualen finden, spüren und lebendig halten konnte. So gelang es ihm schließlich, auch die letzten Zigaretten wegzulassen. Der Rauchstopp war erfolgreich.

Mag.a Margit Gorgi

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