Von Neujahrsvorsätzen und dem Traum vom Neubeginn

Kennen Sie das?

Im Neuen Jahr werde ich gesünder leben…ich werde auf meine Ernährung achten und auch keine Süßigkeiten mehr essen…ich werde regelmäßig Bewegung machen…ich werde Stress vermeiden und mehr auf meine Bedürfnisse achten…ich werde mit dem Rauchen aufhören… ich werde „nein“ sagen, wenn mir etwas zu viel wird…ich werde mir mehr Zeit für meine Familie und meine Freunde nehmen…

Diese Liste ließe sich noch beliebig lang fortsetzen. Gute Neujahrsvorsätze gehören zum  Jahreswechsel wie ein Feuerwerk oder der Glockenklang der Pummerin und der Donauwalzer um Mitternacht.

Fast genauso rasch wie diese Töne sind jedoch auch die guten Vorsätze im Alltagstrubel des Neuen Jahres verklungen. Spätestens Ende Jänner ist davon nur mehr das schlechte Gewissen übrig, weil man es wieder einmal nicht geschafft hat. Aber schließlich: der nächste Jahreswechsel kommt bestimmt, und dann wird endlich alles anders…

Ein Neubeginn hat für uns Menschen etwas sehr Faszinierendes und ist auch mit vielen Hoffnungen und Erwartungen verbunden: eine neue Beziehung, ein neuer Arbeitsplatz, ein neues Jahr. Man möchte jetzt alles richtig machen, die alten Fehler vermeiden und nochmals ganz von vorne starten. Tatsächlich bleiben wir aber auch bei einem Neubeginn die Menschen, die wir vorher waren, mit all unseren Eigenheiten und Gewohnheiten.  Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht Manches an unserem Verhalten ändern können. Wichtig ist nur, dass wir uns nicht zu viel auf einmal vornehmen, denn das neue Jahr hat uns schließlich nicht in eine andere Person verwandelt.

Wenn wir von Natur aus eher bewegungsfaul sind, wird der Plan, täglich Sport zu betreiben, eher zum Scheitern verurteilt sein. Realistisch wäre hingegen z.B., für ein oder zwei Stockwerke nicht mehr den Lift sondern die Treppe zu benutzen und ein bis zwei Bewegungsaktivitäten pro Woche wie Spazierengehen oder Schwimmen fix im Terminkalender einzuplanen, am besten in netter Gesellschaft.

Gehören wir zu den „Naschkatzen“,  ist es sehr unrealistisch, Süßes aus dem Speiseplan völlig verbannen zu wollen. Wir können aber z.B. lernen, unseren Geschmacksinn ein wenig umzutrainieren, sodass wir mit weniger Zucker noch immer die Empfindung „süß“ haben.

Hilfsbereite Menschen, die schwer jemandem eine Bitte abschlagen können, wollen es auch im Neuen Jahr allen anderen recht machen. Hier hilft es, übernommene Aufgaben mit möglichst genauer Zeitangabe in den Terminkalender einzutragen, so sieht man eher, was realistisch möglich ist. Und nicht vergessen: auch Zeit für eigene Bedürfnisse fix eintragen!!

Sehr gut passt in Zusammenhang mit Neujahrsvorsätzen ein Vergleich mit einer Zugfahrt: Wenn wir mit dem Zug nach Süden fahren wollen, wird es uns nicht glücklich machen, wenn wir stattdessen in einen Zug nach Norden zu steigen. Wenn unser Zug Richtung Süden aber eine Weiche nimmt, um auf einem anderen Gleis weiterzufahren und so eine Kollision zu vermeiden, dann wird uns das kaum stören.

Planen wir daher als Neujahrvorsatz lieber eine konkrete kleine Weichenstellung anstelle einer totalen Richtungsänderung. So erhöhen wir unsere Chancen auf Erfolg deutlich und verhindern die alljährlich wiederkehrende Frustration.

Und wer sagt denn, dass man mit der nächsten kleinen Veränderung bis zum Neuen Jahr warten muss?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Weichenstellen und alles Gute für 2019!

Mag. Margit Gorgi

 

Foto: pixabay