Vom Neujahrsvorsatz zur Gewohnheit: Teil 1

Wie nähern uns einmal mehr dem Jahreswechsel und somit dem heiklen Territorium der Neujahrsvorsätze. Dahinter – in nicht allzu weiter Ferne – ragen auch schon die Berge der Enttäuschung hervor und gleich danach die endlosen Weiten von Couchistan, einem besonders gemütlichen und anziehendem Flecken Erde.

Kennen Sie das auch? Vollbepackt und topmotiviert mit einer (zu großen) Menge (eher vager) Vorsätze ins neue Jahr preschen und dann bewegt man sich doch wieder nur zwischen Kühlschrank und Sofa. Der Geist ist willig, das Fleisch zu schwach. Diagnose: Mangel an Selbstkontrolle?!

Häufig höre ich diese Worte von Menschen, bei denen ich mir das gar nicht vorstellen kann. Mein Gegenüber hat mir fünf Minuten vorher erzählt, dass er lange Arbeitstage besteht, sein selbstgebautes Haus in Schuss hält, sich um die Kinder kümmert und sich jetzt auch noch nach einer Herzerkrankung ins Leben zurückgekämpft hat! Aber sich dazu zu überwinden dreimal die Woche spazieren zu gehen? Die Schokoladentafel nicht fertig essen? Völlig unmöglich, DAS schaff‘ ich nicht! Das passt nicht zusammen, oder? Es gibt viele Blickwinkel, Herangehensweisen und Einflussfaktoren bei einer solchen Herausforderung. Ich möchte mich im Folgenden aber auf das Thema Gewohnheiten konzentrieren.

Gewohnheiten kann man als eine Ansammlung von Verhaltensweisen sehen, die für uns normal sind und mehr oder weniger automatisch ablaufen. Viele unserer Gewohnheiten oder „Macken“ sind sogar so normal, dass wir sie gar nicht mehr bemerken. Auffallen tun sie uns oft erst, wenn man an Ihnen gehindert werden. Zum Beispiel, wenn man im Rahmen eines Rehabilitationsaufenthaltes viel früher aufstehen muss als sonst und der Kaffee nicht aus der heimischen Espressomaschine kommt. Und das schmeckt unserem Gehirn –ganz abgesehen vom Kaffee – gar nicht, denn: unser Hirn liebt Gewohnheiten. Sie sind wunderbar effizient und schonen so Energie- und Aufmerksamkeitsreserven. Ohne unsere Gewohnheiten müssten wir tatsächlich jeden unserer täglichen Schritte bewusst überwachen und neu überdenken. Gerade in der heutigen Welt wären wir völlig überfordert.

Treffen Gewohnheiten und unserer evolutionär bedingt Vorliebe für kalorienreiche Nahrung aufeinander, dann wird man eine richtig runde Sache. Somit sind wir alles Knechte der Evolution und unserer Eigenart und damit wäre das Thema erledigt.

JA, ABER MOMENT MAL! Was ist denn bitte mit diesen Leuten, die regelmäßig Sport machen, sich ausgewogen ernähren und dabei auch noch relativ glücklich aussehen. Was stimmt den mit denen nicht? Haben die einen Schaden, oder sind das einfach nur bewundernswerte Menschen mit starkem Willen. Ersteres ist möglich, letzteres eher nicht. Das Gehirn kann in krisenhaften oder anstrengenden Phasen natürlich unglaubliche Mengen an Konzentration und Zähigkeit aufbringen, aber im normalen Alltag herumlaufen und ständig mit zusammengebissenen Zähnen murmeln:“…und jetzt muss ich laufen gehen, obwohl ich keine Lust habe und werde keine Schokolade essen und danach noch Liegestütze und später Brokkoli statt Schweinsbraten…“ würde unser Hirn keine Woche durchhalten.

Wie machen die das? Die Antwort: die haben sich das angewöhnt! Ja tatsächlich! Es ist möglich sich Dinge anzugewöhnen, die einem nicht die Lebenszeit verkürzen. Der Innere Schweinehund hat nämlich gar nicht so ein beschränktes Interessensspektrum wie wir oft glauben. Er mag halt die Dinge, die für ihn „normal“ sind. Doch diese Dinge lassen sich ändern. Auch ihre Gewohnheiten, Vorlieben, Alltagsabläufe haben sich sicher schon einmal geändert, oder nicht? Überlegen Sie mal welche Veränderungen Sie alleine im Erwachsenenalter durchgemacht haben.

Das Gesundheitsverhalten neu aufzustellen ist dennoch immer eine Herausforderung. Wie Sie es sich leichter machen können, lesen Sie dann an dieser Stelle in der ersten Jännerwoche. Verbringen Sie noch ein paar Tage mit ihrem alten Schweinehund und überlegen Sie in einer ruhigen Minute, welche neuen Kunststücke Sie ihm im kommenden Jahr eigentlich beibringen möchten.

Foto: istock

Mag. Andreas Fuka, Klinischer- und Gesundheitspsychologe

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