Kann ich die Wirkung meiner Medikamente beeinflussen?

Komische Frage werden Sie sich denken, wie soll ich die Wirkung beeinflussen? Außer das ich mehr nehme oder weniger, womit mein Arzt keine Freude hat, fällt mir nichts ein.

Beginnen möchte ich mit ein paar Ergebnissen aus der Placebo Forschung. Placebos (lat. placere = gefallen, „ich werde gefallen“) sind Medikamente ohne Wirkstoff.

  1. Placebos wirken auch, wenn man weiß, dass es welche sind.
  2. Blaue Placebos beruhigen, rote regen an.
  3. Vier Tabletten mit nichts drin wirken stärker als zwei.
  4. Placebospritzen wirken besser als Tabletten.
  5. Am besten wirken Placebooperationen (auch das gibt es).
  6. Teure Placebos zeigen mehr Wirkung als billige.
  7. Placebos haben genau die Nebenwirkungen, die auch die richtigen Medikamente aufweisen.
  8. Placebos können spezifische Auswirkungen auf einzelne Organe haben.
  9. Placebos, die der Oberarzt im weißen Mantel verabreicht, wirken besser als die vom Pfleger.

Sind Sie beeindruckt? Wie gesagt, ein Placebo ist ein Medikament ohne Wirkstoff. Selbiges gilt aber auch für ein richtiges Medikament. Wenn Ihnen Ihr Arzt die Wirkung genau erklärt, und Sie ihm und dem Medikament vertrauen, wird es besser wirken.

Leider funktioniert der Effekt auch in die entgegengesetzte Richtung. Hier spricht man vom Nocebo Effekt (lat. Nocere = Schaden, „ich werde schaden“). Beschäftige ich mich mit den Nebenwirkungen, werde ich möglicherweise diese Nebenwirkungen bekommen. Die Information über „Risiken und Nebenwirkungen“ ist zwar juristisch richtig, aber sie gefährdet die Wirkung des Medikamentes.

Ein Beispiel: Derek Adams nahm an einer Studie für Antidepressiva teil. Kurz später wurde er von seiner Freundin verlassen und ohne sie wollte er nicht mehr leben. In einer Kurzschlusshandlung schluckte er alle Tabletten. Dann bereute er aber diesen Schritt und rief die Rettung. Er hatte Schweißausbrüche, es war ihm übel und kurz nach der Aufnahme im Krankenhaus hatte er einen Kreislaufzusammenbruch. Er war sich sicher an einer „Überdosis“ sterben zu müssen. Zwecks weiterführender Behandlung kontaktierte ein Arzt die Studienleitung. Dabei stellte sich heraus, dass der Patient Teilnehmer der Kontrollgruppe war, d.h. er hatte nur Placebos bekommen. Nach dem man ihm dies mitteilte und ihm versicherte, dass keine Lebensgefahr bestand, ging es ihm schlagartig besser.

Was wir glauben wirkt!

Kann ich die Wirkung meiner Medikamente beeinflussen? Ich denke diese Frage können wir mit JA beantworten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vertrauen in Ihren Arzt und Ihre Medikamente, damit diese ihre volle positive Wirkung für Ihre Gesundheit entfalten können.

Mag. Alexander Urtz MBA, Klinischer- und Gesundheitspsychologe

Herz-Kreislauf-Zentrum Groß Gerungs

www.herz-kreislauf.at/